Während seiner Studienzeit bei Paul Kuen und Raimund Grumbach besuchte Christian Gerhaher an der Münchner Hochschule für Musik die Opernschule und studierte dort gemeinsam mit seinem festen Klavierpartner Gerold Huber Liedgesang bei Friedemann Berger. Neben einem Medizinstudium rundete er seine stimmliche Ausbildung in Meisterkursen bei Dietrich Fischer-Dieskau, Elisabeth Schwarzkopf und Inge Borkh ab. Derzeit unterrichtet Christian Gerhaher selbst gelegentlich in ausgesuchten Meisterklassen, er ist Bayerischer Kammersänger, Honorarprofessor der Münchner Hochschule für Musik und Träger des Bayerischen Maximiliansordens für Wissenschaft und Kunst. Für seinen außerordentlichen Einsatz in der Vermittlung von klassischer Musik wird ihm der Musikpreis des „Heidelberger Frühlings“ 2016 verliehen.

Gemeinsam mit Gerold Huber setzt er Maßstäbe in der Liedinterpretation - ihre Aufnahmen sind immer wieder preisgekrönt. Das 2014 erschienene Liedalbum Nachtviolen wurde mit dem Gramophone Classical Music Award 2015 in der Kategorie Solo Vocal ausgezeichnet. Das Liedduo ist auf den Bühnen der internationalen Liedzentren zuhause: In den New Yorker Sälen, im Concertgebouw Amsterdam, in der Kölner und Berliner Philharmonie. Besonders häufig ist er Gast im Wiener Konzerthaus und Musikverein sowie in der Londoner Wigmore Hall - in den beiden letzten war er in den vergangenen Jahren artist in residence. Christian Gerhaher ist regelmäßiger Gast bei Festivals wie den Schwetzinger Festspielen und dem Rheingau Musik Festival, den London Proms, dem Edinburgh und Lucerne Festival oder den Salzburger Festspielen. In der Saison 16/17 legt Christian Gerhaher einen noch größeren Schwerpunkt auf das Lied – Liederabende mit fünf verschiedenen Programmen führen das Duo nach Salzburg, an die Mailänder Scala, die Münchner Staatsoper, die Berliner Philharmonie, das Gewandhaus in Leipzig, das Wiener Konzerthaus, ans Festspielhaus Baden-Baden, nach Genf, Paris, London, Madrid, zur Schubertiade Schwarzenberg sowie in Tourneen nach Japan (Tokyo, Nagoya, Yokohama, Kyoto) und die USA (Washington, San Francisco, Portland und New York). Gekrönt wird die Saison von drei Konzerten mit Brahms‘ Schöner Magelone in Heidelberg, London und München, bei denen Ulrich Tukur den Erzählerpart übernimmt. Im Herbst 2016 wird eine zugehörige CD veröffentlicht werden. Martin Walser ist hier der Sprecher der auf Ludwig Tieck basierenden Texte, die er in einer eigenen Fassung für Christian Gerhaher und Gerold Huber behutsam ironisiert hat.

Auch wenn Christian Gerhaher sein Hauptaugenmerk auf den Lied- und Konzertgesang richtet, ist er schon lange auch auf der Opernbühne ein gesuchter Darsteller, ausgezeichnet mit zahlreichen Preisen wie dem Laurence Olivier Award oder dem Theaterpreis „Der Faust“. Unter Riccardo Muti sang er den Papageno bei den Salzburger Festspielen (DVD/Decca). Als Prinz von Homburg gastierte er in Henzes gleichnamiger Oper am Theater an der Wien. Partien wie Mozarts Don Giovanni in Frankfurt, wo er auch schon als Orfeo, Wolfram, Eisenstein und Pelléas zu hören war – Posa/Don Carlo in Toulouse oder konzertant Olivier/Capriccio am Royal Opera House Covent Garden zeigen seine Bandbreite, Wolfram war und bleibt eine Konstante in seinem Kalender an den Häusern von Berlin, Wien, London und München. Ein Meilenstein in Christian Gerhahers Opernlaufbahn war sein Debüt als Wozzeck im September 2015 in der einzigartigen Inszenierung von Andreas Homoki am Opernhaus Zürich mit Fabio Luisi am Pult (seit Juni 2016 erhältlich als DVD bei Accentus). 2016/17 ist er zweimal an der Bayerischen Staatsoper zu hören: Im Januar 2017 als Posa in Verdis Don Carlo und im Juni in Romeo Castelluccis Neuinszenierung von Richard Wagners Tannhäuser in seiner Schlüsselrolle des Wolfram von Eschenbach unter der Leitung von Kirill Petrenko.

Die Zusammenarbeit mit Dirigenten wie Simon Rattle, Nikolaus Harnoncourt, Herbert Blomstedt, Pierre Boulez, Daniel Barenboim, Andris Nelsons, Kent Nagano, Mariss Jansons, Daniel Harding, Bernard Haitink und Christian Thielemann führt ihn in die bedeutenden Konzertsäle der Welt. Zu den Orchestern, die Christian Gerhaher regelmäßig einladen, zählen beispielsweise das London Symphony Orchestra, das Concertgebouworchester, sowie die Wiener und Berliner Philharmoniker, deren Artist in Residence er als erster Sänger in der Saison 13/14 war, sowie das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (residency 2012/13). Gemeinsam mit diesem herausragenden Ensemble hat Christian Gerhaher unter der Leitung von Daniel Harding sein erstes Arien-Album eingespielt, das sich der Oper in der Deutschen Romantik widmet und für das er den International Opera Award 2013 erhielt. Inzwischen ist sein zweites Opernrezital auf CD erschienen: „Mozart-Arien“ mit dem Freiburger Barockorchester. In Konzerten kann man ihn 2016/17 gleich zweimal auf Tournee mit dem Gustav Mahler Jugendorchester erleben, im Sommer 16 zum ersten Mal mit Philippe Jordan (mit Werken von Bach und Mahler), im Frühjahr 17 mit Daniel Harding (auf dem Programm Bergs Altenberglieder, Arien von Franz Schubert und die Nuits d’été von Hector Berlioz). Im Antrittskonzert von Daniel Harding als Chefdirigent des Orchestre de Paris erklingen Schumanns Szenen aus Goethes Faust mit Christian Gerhaher in der Bariton-Partie, und kurz darauf wird er auch bei Daniele Gattis Antritts-Gala als Leiter des Amsterdamer Concertgebouw-Orchesters u. a. mit Mahlers Liedern eines fahrenden Gesellen mitwirken. Weitere Gastkonzerte gibt er bei den Berliner Philharmonikern unter Bernard Haitink (Mahlers Lied von der Erde), bei der Accademia di Santa Cecilia in Rom mit Antonio Pappano sowie beim WDR Sinfonieorchester unter Kent Nagano zum ersten Mal mit Frank Martins Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke.

Als Exklusiv-Partner veröffentlicht Christian Gerhaher seine CDs bei Sony Music. Mit seinem Pianisten Gerold Huber liegen hier Schumann-, alle Schubert-Zyklen sowie viele andere Liedeinspielungen vor. Darüber hinaus kann man ihn mit Orchestern wie den Berliner Philharmonikern, dem Cleveland Orchestra, dem Symphonieorchester des BR oder dem Concentus musicus Wien mit Werken von Bach, Haydn, Mozart, Mendelssohn, Humperdinck, Orff oder Mahler hören. Vor allem wichtig ist ihm die Musik Robert Schumanns – sowohl Das Paradies und die Peri und besonders seine Szenen aus Goethes Faust liegen als CDs bei Sony, RCO live und dem BR Klassik Label vor.

Christian Gerhaher und seine Frau leben mit ihren drei Kindern in München.